Posts | Comments | Email

Riese – Kingdom falling: Steampunkserie auf Syfy

Ab 29. März zeigt die Webpage des Senders immer dienstags und donnerstags die neueste von
zehn ca. 8-minütigen Webisodes, die zusammen den gleichnamigen Spielfilm ergeben.Wie Leuten, die die Serienwelt im allgemeinen und das Genre Steampunk im Besonderen halbwegs verfolgen, ist das keine allzu große Neuigkeit, nichtsdestotrotz sollte man es erwähnen: Der Spartensender Syfy hat sich jetzt erstmals an eine Steampunk-Serie gewagt.

Der Name: Riese – Kingdom Falling.

Was für deutsche Ohren ein wenig seltsam klingt hat eine einfache Bedeutung: Riese spricht sich “Riess” (mit texanischem ‘R’) und ist der Name der Titelheldin, einer Prinzessin eines fiktiven Reiches einer fiktiven Welt, die irgendwie steampunkig ist.

Zugegeben, ‘Riese’ ist keine richtige Serie, sondern eine Folge von 10 ‘Webisodes’ von um die 8 Minuten Länge. zusammen sollen sie, wenn ich die Gerüchte und die Pressemeldung von Syfy-Universal richtig verstehe, einen Spielfilm ergeben. Was ich mir ehrlich gesagt nicht so richtig vorstellen kann.

Aber von Anfang an:
Vorgestern erreichte uns drei von Steamtown eine Pressemeldung per Mail von Universal. In dieser wurden wir von einer ausgesprochen freundlichen Pressedame als “Liebe Steamtown-Redaktion,” angesprochen und als “führende deutsche Steampunk-Seite” bezeichnet. Wir finden zwar, dass dieser Titel eigentlich den Clockworkern gebührt, fühlen uns dennoch geschmeichelt und möchten unserer Informationspflicht unseren Lesern gegenüber gern nachkommen. Redaktion hin oder her.

Darum geht es in Riese – Kingdom falling

Während ihrer eigenen Inthronisations-Zeremonie musste die junge Prinzessin Riese (Christine Chatelain) mit ansehen, wie die Schergen der fanatischen Gruppierung „Die Sekte“ den Palast stürmten, ihre gesamte Familie niedermetzelten und die Macht über das Land Eleysia an sich rissen. An ihrer statt wurde die herrschsüchtige Amara (Sharon Taylor) zur Kaiserin ernannt und verbreitet fortan mit Hilfe der Sekten-Anhänger Angst und Schrecken in Eleysia. Durch ihr unterdrücktes Heimatland wandert nun die junge Riese, die dem Gemetzel unbemerkt entkam.

Dicht an ihrer Seite ihr einziger Freund, Wolf Fenrir, der sie vor den Übergriffen Amaras Handlanger schützt. Die sind der rechtmäßigen Thronfolgerin dicht auf den Fersen, um zu verhindern, dass sie mit Hilfe einer Gruppe Widerstandskämpfer – genannt die Heretiker – doch noch das Land in eine glückliche Zukunft führt.

Soweit zumindest die Pressemeldung von Syfy.de.

Ab dem 29. März zeigt die Website des Pay-TV-Senders jeden Dienstag und Donnerstag eine der etwa 8-Minütigen Webisodes, die dann zusammen einen Spielfilm ergeben sollen. Dieser feiert dann am Freitag, den 13. Mai, um 22:40 Uhr deutsche TV-Premiere bei Syfy.

Der Universal-Ableger hat für dieses Serien-Experiment eine beachtliche Anzahl von im Genre-Serienbusiness bekannten Namen zusammengetragen. Mit von der Partie sind zum Beispiel Emilie Ullerup („Sanctuary – Wächter der Kreaturen“), Sharon Taylor („Stargate: Atlantis“), Ben Cotton („Harper´s Island“), Allison Mack („Smallville“) oder Ryan Robbins („Caprica“). Durch die Geschichte führt die Stimme von Amanda Tapping („Stargate“, „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“) herself als Erzählerin.

Frau Tapping gilt ja spätestens seit ihrem Erfolgstreffer mit Sanctuary als Spürnase für gute Serien und ‘riese’ hat tatsächlich beachtliche Erfolge als Webisoden-Serie gefeiert.

Betrachtung

Ich bin mir allerdings nicht sicher, was ich von der Serie halten soll.
Dramaturgisch ist zumindest Folge 1 ungeschickt aufgebaut: gefühlte zwei Drittel der Zeit bestehen aus Einblendung einer willkürlich europäisch anmutenden Karte mit europäisierten (Länder-?) Namen wie “Vanir”, “Midgard”, “Asgard”, “Hreta”, “Idavoll” oder “Vanaheimer”, die ziellos hin und her scrollt, während Amanda einen riesigen Haufen Infodump loslässt, der wie die Zusammenfassung von ein bis drei Serienfolgen klingt und mit etwas mehr Worten obigen Infotext wiedergibt. Davon abgesehen, dass die Widerständler sich selbst nicht als “Heretics” bezeichnen, sondern als “Resistance” (könnte auch “Rebel Alliance gewesen sein”. Ich war kurz abgelenkt).

Dieser Monolog wird nur unterbrochen von einer kurzen Kampfszene der in Samt und Leder gekleideten Riese gegen eine Horde vermummter … in Leder Gekleideter. Die sie trotz blutender Bauchwunde (von der man weder in Episode eins noch zwei erfährt, woher diese stammt), mit Messer und auf Wolf geschminktem Begleithund (warum Fenrir?!) allesamt erledigt. Zweite Unterbrechung ist eine Kulisse, die ein wenig wie aus einer alten Star-Trek-Folge wirkt und in der zwei lustlose Schauspieler uninspiriert Text und bedeutungsvolle Blicke wechseln. Das dritte Bühnenbild wirkt wie aus einer alten Xena-Folge mit einer verdächtig nach Styropor aussehenden “Naturstein-Stadtmauer”, einem Statisten-Wächter und Riese. Gefühlte drei Sätze werden gewechselt, Riese fällt um und die Episode ist zuende.

Nicht gerade das, was ich mir von einer guten Eröffnung erwarte. Erzählerisch überfrachtet, Schauspielerisch und von der Ausstattung her nicht unbedingt Spielfilmmaterial und dramaturgisch deutlich verbesserungsfähig. Um es vorsichtig auszudrücken.

Es sind die Lieblosigkeiten, die hier auf Anhieb stören – und zwar nicht nur mich, sondern die meisten meiner Bekannten, die die Webisoden bislang gesehen haben.
Das beginnt bei den Kostümen, die zwar zünftig wirken und auf jeder Steampunk-Convention gebührend abgenickt würden, die sich aber innerhalb eines Filmes als eher  störend erweisen: Ohne einen erkennbaren Grund (außer, dass sie natürlich DAS Markenzeichen des Steampunk ist) läuft die Prinzessin mit einer Schweißerbrille (den “Goggles”) auf der Stirn herum. Ihre Kleidung besteht auch nach der Flucht durch einen unwegsamen Wald, dem Ermorden eine halben Dutzends (ziemlich sauberer) Wegelagerer und dem Bluten wie abgestochen aus fabrikneuem Leder, wie es Kate Beckinsale etwa in “Van Helsing” trug. Mit Stiefeln, die in der folgenden Episode im Krankenhaus so sauber poliert sind, dass man annehmen muss, sie wären frisch aus dem Fundus. Das Krankenhaus hat übrigens nicht etwa steampunkige Messingeinrichtung, sondern moderne, elektrische Lampen und verchromte Serien-Standardmöbel eines nicht mehr ganz modernen Krankenhauses vomEnde des 20. Jahrhunderts.
Rieses Verfolger sind passend in dunkles Leder gewandet, tragen lederne Gesichts- oder Gasmasken und haben zur Verdeutlichung des Steampunk-Gedankens hier und da Zahnräder dekorativ auf die Kleidung genäht oder eine Augenklappe mit etwas Messing darauf. Und auch in der zweiten Folge wird ein fast schon schmerzhafter Infodump betrieben, der wenig erklärt und viele Fragen aufwirft.

Es mag sein, dass sich die Serie über Folge 2 hinaus deutlich verbessert (zumindest der Infodump-Anteil wird in den folgenden Episoden ein wenig reduziert), zu Anfang jedoch bietet sich das Bild einer eher eilig zusammengestellten Kostümparade, die ich als “Xena mit Steampunk-Anstrich, nur ohne Humor” beschrieben gelesen habe.

Das heißt nicht, dass die Geschichte und das Setting nicht großes Potential haben, doch scheint es zumindest Anfangs nicht, als wäre es gelungen, die durchaus komplexe Geschichte, die Amanda Tapping erzählt, angemessen in das Format von 10 mal 8 Minuten zu transportieren.

Vor allem aber wurde dem Steampunk nicht wirklich Rechnung getragen. Lederkleidung mit Messing-Applikationen, SS-ähnliche Uniformteile und an Nazi-Ärzte erinnernde Wissenschaftler machen keinen Steampunk aus. Erst recht nicht, wenn im Hintergrund die selbe Schreibtischlampe brennt, die meine Tastatur hier beleuchtet. Die ist nämlich nicht Steampunk sondern IKEA. Irgend etwas passt da nicht.

Auf der Plus-Seite steht natürlich, dass es überhaupt endlich jemand gewagt hat, eine steampunkige Serie in Angriff zu nehmen. Vermutlich dürfte sie wesentlich mehr nach den aktuellen Verfilungen von Sherlock Holmes (vielleicht mit einem Touch “Hellboy” und einer Prise “Sky Captain”) orientiert sein. Und zumindest beim Kostüm- und Setdesign sollte eventuell mal ein Berater hinzugezogen werden ,der sich mit dem Genre auskennt. Aber es ist ein Anfang. Und möglicherweise entwickelt die Serie ja noch ein wirklich Steampunkiges Flair. Dazu muss man sie sich im Ganzen ansehen. Die Geschichte, von der Frau Tapping erzählt, klingt jedenfalls gar nicht so schlecht.

Auf jeden Fall bin ich gespannt auf den Spielfilm.

Tom

Kommentar hinzufügen